So ermöglicht der Flughafen München barrierefreies Reisen

Mobilität für alle

18.8.2026

Menschenmengen, rollende Koffer, Durchsagen, Sicherheitskontrollen: Für viele Passagier:innen sind die Abläufe am Flughafen reine Routine. Für andere jedoch können sie schnell zur Belastung werden – genau für diese Fluggäste gibt es am Münchner Airport das Sunflower-Programm. Ein kleines Symbol mit großer Wirkung soll Menschen mit nicht sichtbaren Einschränkungen das Reisen erleichtern.

Lena Bosch arbeitet im Bereich Aviation Operation und betreut die Initiative. Im Interview erzählt sie, wie viel Verständnis und Rücksichtnahme bewirken können. 

Außerdem:

Wie der Airport Barrieren abbaut und Reisen erleichtert

  • Am Flughafen München erhalten Reisende das Sunflower-Lanyard als Zeichen für nicht sichtbare Einschränkungen und individuellen Unterstützungsbedarf.
  • Klare und barrierefreie Beschilderung im Terminal 2 weist den Weg zu den Gates G, H, K und L. Piktogramme für Rollstuhlfahrer, Familien sowie das Sunflower-Symbol für unsichtbare Beeinträchtigungen sorgen für Orientierung, Sicherheit und ein inklusives Reiseerlebnis.
  • An der barrierefreien Sicherheitskontrolle im Terminal 2 erhalten Familien, mobilitätseingeschränkte Reisende (PRM) und Passagiere mit unsichtbaren Beeinträchtigungen (Sunflower) persönliche Unterstützung. Großzügige Abläufe und moderne Technik sorgen für ein entspanntes und sicheres Reiseerlebnis.

Frau Bosch, die gelbe Sonnenblume auf grünem Hintergrund fällt am Flughafen München immer häufiger auf. Was steckt hinter der Sunflower-Initiative?

Lena Bosch: Die Sonnenblume ist ein international anerkanntes Symbol für Menschen mit nicht sichtbaren Einschränkungen. Dazu gehören beispielsweise Autismus, ADHS, Angststörungen oder chronische Erkrankungen. Viele dieser Herausforderungen sind von außen nicht erkennbar, können das Reisen aber deutlich erschweren.

Flughäfen sind komplexe Orte mit vielen Eindrücken, Zeitdruck und wechselnden Situationen. Mit dem Sunflower-Lanyard, dem grünen Schlüsselband mit der Sonnenblume, signalisieren betroffene Passagier:innen einfach und diskret: Ich brauche vielleicht etwas mehr Unterstützung oder Verständnis. Für uns als Flughafen ist das Programm ein wichtiger Baustein, um Reisen für möglichst viele Menschen zu ermöglichen, es angenehmer und barriereärmer zu gestalten.

Welche Unterstützung erhalten Fluggäste konkret?

Reisende tragen freiwillig das Sunflower-Lanyard, um auf ihre spezifischen Bedürfnisse aufmerksam zu machen, ohne ihre Situation immer wieder erklären oder Details preisgeben zu müssen. Das Flughafenpersonal im Terminal erkennt das Symbol und weiß, wie es angemessen und geduldig unterstützen kann – ob im Terminaldienst, beim Check-in, an den Sicherheits- und Passkontrollen oder beim Boarding. Es bietet unkompliziert Hilfe an, beantwortet Fragen oder nimmt sich einfach die Zeit, die jemand gerade benötigt. Im Terminal 2 ist die inklusive Sicherheitskontrollstelle jetzt ausdrücklich auch für Sunflower-Passagier:innen ausgewiesen. Die Umgebung ist großzügiger gestaltet, geräuschgedämpft und die Mitarbeitenden begleiten die Reisenden, falls nötig.

Es geht also darum, Sicherheit zu vermitteln?

Genau. Oft kann allein das Wissen, bei Bedarf Unterstützung zu bekommen, unheimlich entlasten, wie uns viele Passagier:innen rückmelden. Wichtig ist noch zu wissen, dass Reisende, die das Symbol tragen, nicht durch den Mobility Service betreut werden wie Reisende mit eingeschränkter Mobilität. Zudem besteht kein Anspruch auf prozessuale Vorteile, wie beispielsweise Zugang zum Fast-Track. Die Lanyards sind an verschiedenen Stellen am Flughafen kostenlos erhältlich, etwa an den Infoschaltern im Terminal 1 und 2, den Mobility Service Points und neu auch im Besucherpark.

Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit der Sunflower-Initiative gesammelt?

Die Resonanz ist ausgesprochen positiv. Täglich werden etwa zehn neue Lanyards ausgegeben, die Nachfrage steigt kontinuierlich. Das Sunflower-Programm gibt Betroffenen das Gefühl, gesehen und verstanden zu werden – wofür sich viele ausdrücklich bedanken. Dieses Feedback berührt mich sehr. Auch intern erfahren wir viel Unterstützung, das ganze Team im Terminal nimmt das Thema sehr engagiert auf. Darüber hinaus erreichen uns mittlerweile auch externe Anfragen wie von der Stadt München und dem Olympiapark, die sich mit uns austauschen möchten.

Was liegt Ihnen besonders am Herzen?

Für mich ist die Sonnenblume ein Symbol für Verständnis, Rücksichtnahme und Menschlichkeit. Sie erinnert uns daran, dass wir nie wissen, welche Geschichte ein Mensch gerade mit sich trägt oder welche Herausforderung ihn begleitet. Genau diese Haltung möchte ich fördern: aufmerksam sein, respektvoll miteinander umgehen und Menschen nicht vorschnell beurteilen. Wenn das Sunflower-Programm dazu beiträgt, dass sich Reisende am Flughafen München besser aufgehoben fühlen, haben wir bereits viel erreicht.

Vielen Dank für das interessante Gespräch und die wertvollen Einblicke.

ACI-Zertifizierter Airport für Barrierefreiheit

Als erster deutscher Airport erreichte der Flughafen München das Level 1 des Accessibility Enhancement Accreditation (AEA) Programms des globalen Flughafenverbands ACI World. Diese Akkreditierung unterstreicht sein starkes Engagement für Menschen mit Behinderungen und eingeschränkter Mobilität.

Die Auszeichnung würdigt, was viele Teams bei uns Tag für Tag vorantreiben: Barrierefreiheit praktisch umzusetzen. Das zeigt sich in digitalen Angeboten, inklusiven Services und konkreten Verbesserungen am Flughafen.

Jost Lammers, Vorsitzender der Geschäftsführung und Arbeitsdirektor

Jost Lammers

Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen München GmbH

Auracast: Barrierefrei hören

Zwischen Stimmengewirr und Lautsprecherdurchsagen gehen wichtige Informationen am Gate schnell unter. Genau hier setzt Auracast an: Via Bluetooth-Technologie werden Durchsagen direkt auf kompatible Endgeräte wie zum Beispiel Hörgeräte oder Kopfhörer übertragen und somit besser verständlich. Davon profitieren Reisende in einer geräuschvollen Umgebung – und besonders Menschen mit Hörbeeinträchtigungen. 

Aktuell wird Auracast im Terminal 1 an den Gates A42 bis A45 sowie im Terminal 2 an den Gates G31 und G32 getestet. Die Nutzung ist einfach: Passagier:innen scannen den QR-Code vor Ort oder wählen den Stream direkt über das Bluetooth-Menü ihres Smartphones aus. "Informationen verlässlich zu vermitteln, ist ein zentraler Bestandteil guter Servicequalität", sagt Jasmin Kizmann, die für Innovations- und Digitalisierungsprojekte am Airport verantwortlich ist. So schafft Auracast mehr Orientierung, reduziert Stress und macht das Reisen entspannter. 

Vielversprechende Ansätze gibt es für die Zukunft auch in puncto Mehrsprachigkeit: Während die Durchsagen am Gate auf Deutsch und Englisch erfolgen, könnten Reisende die Informationen künftig in ihrer Sprache direkt auf ihrem Gerät empfangen.

Gate-Durchsagen via Auracast erleichtern insbesondere Menschen mit Hörbeeinträchtigung die Orientierung am Flughafen.

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