Im Tower sitzt Wildenauer zwischen DFS und flughafeneigener Vorfeldkontrolle. Deren Mitarbeiter begegnen sich im normalen Arbeitsalltag nicht und arbeiten doch permanent Hand in Hand. Bevor ein Pilot Münchner Boden verlässt, hatte er mindestens vier Tower-Insassen am Ohr. Zuerst einen Platzkoordinator der DFS: Er überprüft, ob die Maschine Bestandteil des Flugplans ist und die geplante Abflugzeit noch gilt, ehe er die Strecke freigibt und das Flugzeug die Triebwerke anlassen darf. Dann wechselt der Pilot die Frequenz, so dass seine Stimme gut zehn Meter tiefer aus den Lautsprechern der Vorfeldkontrolle erklingt.
Hier, auf Ebene 90, regeln zwei Mitarbeiter den Verkehr auf den westlichen Vorfeldern. Der Pilot, der zuvor mit dem Platzkoordinator gesprochen hat und nun die Abstellposition verlassen will, ruft "Ready for Pushback". Parallel dazu wollen zwei weitere Flugzeuge eine Freigabe.
Jetzt ist höchste Konzentration gefragt. Die eine Maschine muss zur südlichen Startbahn, eine daneben stehende zur nördlichen, während ein gerade gelandetes Flugzeug Richtung Terminalgebäude rollt. Blitzschnell muss der Vorfeldkontrolleur entscheiden, in welcher Reihenfolge und auf welchen Wegen er die Maschinen dirigiert, denn: "Der Flugbetrieb soll nicht nur sicher, sondern auch geordnet und zügig sein", erklärt Jens Bartels, Referent der Vorfeldkontrolle. Sobald der Pilot eine der Brücken zum Rollfeld erreicht hat, wird er angewiesen, erneut die Frequenz zu wechseln. Er gelangt zurück zur DFS, wo nun Mathias Andlinger übernimmt. Eigentlich hält er als Supervisor in der Mitte des Glasrondells Kontakt zur DFS-Zentrale und anderen Stellen. Doch nun vertritt er einen Kollegen, der in die alle zwei Stunden vorgeschriebene Pause geht. Andlinger übernimmt die Position des sogenannten Rolllotsen, der das Flugzeug über die Zurollwege zur Startbahn geleitet. "You are number two behind an Embraer Jet", erklärt er dem Piloten die Startreihenfolge, die nicht einfach davon abhängt, wer am längsten wartet. Entscheidend sind etwa die Sicht, der nächste Anflug und wie schnell eine Maschine starten kann. Hinzu kommt, dass zwei Flugzeuge mit gleicher Route mehr Abstand halten müssen – so dass es sinnvoll sein kann, ein anderes dazwischen zu schieben. "Unser Ziel ist es, den Verkehr schnellstmöglich in die Luft zu bekommen", sagt Andlinger.